Ankaufsthema · Tagebücher
Tagebücher verkaufen
Ich kaufe private Aufzeichnungen aus der Zeit bis 1950: Tagebücher, Kriegs- und Reisetagebücher, Haushalts- und Hofbücher – ob ein einzelnes Heft oder eine über Jahrzehnte geführte Reihe.
Zur Sache
Die seltenste aller Quellengattungen
Urkunden wurden amtlich verwahrt, Briefe hatten immerhin zwei Chancen zu überleben – ein Tagebuch existierte nur einmal, und seine größten Feinde waren die eigenen Nachkommen, die es aus Scham oder Pietät verbrannten. Entsprechend dünn ist die Überlieferung: Auf Tausende erhaltener Postkarten kommt vielleicht ein einziges durchgehend geführtes Diarium.
Dabei ist die Nachfrage der Forschung in den letzten Jahrzehnten stark gewachsen, seit die Alltagsgeschichte die „kleinen Leute“ entdeckt hat. Einrichtungen wie das Deutsche Tagebucharchiv in Emmendingen sammeln solche Selbstzeugnisse systematisch, Historiker edieren Kriegs- und Hungerwinter-Aufzeichnungen als Buchausgaben. Ein unscheinbares Schulheft voller Bleistiftnotizen kann so zur zitierten Quelle werden – vorausgesetzt, es entgeht der Papiertonne.
Ankaufsprofil
Aufzeichnungen, die ich suche
Der Begriff Tagebuch ist weit zu fassen. Neben dem klassischen Diarium interessieren mich alle Formen regelmäßiger privater Niederschrift:
- persönliche Tagebücher aus Kaiserreich, Weimarer Zeit und Kriegsjahren
- Kriegstagebücher von Soldaten, Lazarettschwestern und Zivilisten
- Flucht- und Vertreibungsberichte, auch nachträglich niedergeschrieben
- Reisejournale mit Routen, Skizzen und eingelegten Andenken
- Haushalts-, Anschreibe- und Hofbücher mit täglichen Einträgen
- Wetter-, Garten- und Jagdtagebücher
- Konfirmanden-, Backfisch- und Brauttagebücher junger Frauen
- Erinnerungen und Lebensläufe, für die Familie verfasst
Das Umfeld mitgeben
Lag das Tagebuch zusammen mit Briefen, Fotos oder Kalendern desselben Schreibers, gehören diese Stücke dazu: Sie erlauben es, Personen und Ereignisse der Einträge zu bestimmen, und vervielfachen den Quellenwert des Heftes.
Bewertung
Was ein Tagebuch wertvoll macht
Prominenz des Verfassers ist es fast nie – entscheidend sind Inhalt und Dichte. Darauf schaue ich:
| Merkmal | Worauf es ankommt |
|---|---|
| Zeitraum | Einträge aus Umbruchsjahren – 1914–1918, 1923, 1933, 1939–1948 – sind gefragter als ruhige Friedensjahre. |
| Kontinuität | Ein täglich über Jahre geführtes Buch übertrifft das nach drei Wochen abgebrochene Vorsatzheft um Längen. |
| Konkretheit | Ortsnamen, Preise, Personen und Ereignisse machen den Text auswertbar; reine Gefühlslyrik trägt weniger. |
| Perspektive | Stimmen von Frauen, Jugendlichen, Landbewohnern und einfachen Soldaten sind rar und deshalb besonders willkommen. |
| Lesbarkeit | Bleistift auf Kriegspapier verblasst; je besser Schrift und Bindung erhalten sind, desto eher findet der Text seine Leser. |
Gut zu wissen
Drei Dinge, die einem Tagebuch schaden
- Heikle Seiten entfernen oder unkenntlich machen. Ein zensiertes Selbstzeugnis verliert seine Glaubwürdigkeit als Quelle – Vertraulichkeit lässt sich vertraglich besser lösen als mit der Schere.
- Das Buch „zur Probe“ auseinandernehmen. Gelöste Bindungen und einzeln verkaufte Seiten zerstören den Zusammenhang unwiederbringlich.
- Lose Einlagen aussortieren. Gepresste Blumen, Fahrkarten und Zeitungsschnipsel zwischen den Seiten sind Teil des Erinnerungsstücks und bleiben, wo sie stecken.
Sie dürfen das Tagebuch selbstverständlich vorher lesen – nur verändern sollten Sie nichts daran.
Ablauf
So läuft der Verkauf ab
- Sie melden sich – am einfachsten telefonisch Schildern Sie kurz, was vorhanden ist: ein Album, ein Karton, ein ganzer Nachlass. Übersichtsfotos per WhatsApp oder E-Mail helfen, sind aber kein Muss.
- Ich sehe mir gezielt an, was zählt Falls nötig, sage ich Ihnen konkret, welche Albumseiten oder Rückseiten ich noch sehen müsste. Bei größeren Beständen ist eine Durchsicht vor Ort oder ein Versand sinnvoll.
- Angebot und direkte Bezahlung Ich nenne Ihnen offen, was ich zahlen kann, und erkläre, wie ich darauf komme. Nehmen Sie das Angebot an, erhalten Sie Ihr Geld sofort. Entscheiden Sie sich dagegen, entstehen Ihnen keine Kosten.
Fragen
Häufige Fragen zu Tagebüchern
Es stehen sehr persönliche Dinge darin. Wie gehen Sie damit um?
Mit Diskretion und klaren Absprachen. Auf Wunsch vereinbaren wir schriftlich, dass Namen bei einer etwaigen Veröffentlichung anonymisiert werden oder der Text nur der Forschung zugänglich gemacht wird.
Der Verfasser war ein völlig unbekannter Mensch. Interessiert das trotzdem?
Gerade das interessiert. Die Aufzeichnungen Prominenter liegen längst in Archiven; was fehlt, ist der Blick des Dorfschmieds, der Dienstmagd oder des Volksschullehrers auf seine Zeit.
Das Heft ist in einer Schrift geschrieben, die wir nicht entziffern können.
Überlassen Sie das Entziffern mir – deutsche Schreibschrift des 19. und frühen 20. Jahrhunderts lese ich fließend. Für die erste Einschätzung genügen Fotos von Einband und einigen Doppelseiten.
Wir überlegen noch, ob wir es nicht doch behalten wollen.
Dann behalten Sie es – dieser Rat ist ernst gemeint. Melden Sie sich einfach, wenn die Entscheidung gefallen ist; ein ordentlich gelagertes Tagebuch verliert durch Warten nichts.
Tagebuch anbieten
Schreiben Sie mir, aus welchen Jahren die Aufzeichnungen stammen und wer sie ungefähr geführt hat. Alles Persönliche bleibt dabei unter uns – auch dann, wenn kein Kauf zustande kommt.
Kostenlos und unverbindlich · Antwort in der Regel innerhalb von 24 Stunden · Direkte Bezahlung beim Ankauf